NAP: Unterstützte Projekte

Neben repressiven Massnahmen braucht es auch Möglichkeiten, frühzeitig zu intervenieren, um Radikalisierungen zu erkennen, zu verhindern und eine Reintegration anzustreben. Auf diese Erkenntnis hat die Schweiz mit dem Nationalen Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus (NAP) reagiert.

Teil der Umsetzung des NAP ist ein Impulsprogramm, mit dem der Bund Projekte von Kantonen, Gemeinden, Städten und der Zivilgesellschaft unterstützt. Er setzt dafür während fünf Jahren fünf Millionen Franken ein.

Das Projekt oder Programm muss bereits zu mindestens 50 Prozent finanziert sein. Die vom Bund geleistete Unterstützung beträgt maximal 50 Prozent der gesamten Ausgaben.

Das Bundesamt für Polizei fedpol unterstützt 2020 die folgenden sechzehn Projekte, mit denen die Massnahmen des Nationalen Aktionsplans zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus umgesetzt werden:

Die Stadt Winterthur erhält einen Betrag in der Höhe von CHF 10'000 für ihr Projekt "Extremismus im Zoom". In Form von Filmbildungsarbeit sollen interessierte Jugendliche ab 15 Jahren aus Winterthur sich thematisch mit verschiedenen Formen von Extremismus auseinandersetzen. Zwei lokale NGOs (Cameo und Kurzfilmtage) kooperieren zusammen mit der Fachstelle Extremismus- und Gewaltprävention und der kantonalen Stelle Prävention & Sicherheit an Schulen, um das Thema Extremismus kulturell zu erschliessen. Dafür werden als Pilotversuch Kino-Veranstaltungen durchgeführt, die mit begleitenden Aktivitäten (Bearbeitung in der Schule und moderierte Diskussionsrunden) gerahmt werden.

Für weitere Informationen: Urs Allemann, 052 267 23 23, urs.allemann@win.ch 

Zugunsten des Kantons Tessin wurde ein Betrag von CHF 53'060 zur Unterstützung der kantonalen Plattform zur Prävention von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus gesprochen. Der Kanton Tessin setzt während vier Jahren (1. Januar 2020 bis 30. Juni 2023) ein umfassendes Dispositiv zur Prävention und Bekämpfung aller Formen von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus um. Die Hauptziele sind die Vernetzung kommunaler und kantonaler Strukturen von Schulleitungen, sozialen und religiösen – insbesondere muslimischen – Organisationen sowie Sportorganisationen und der Aufbau der Zusammenarbeit mit anderen Kantonen, die Prävention jeglicher Form von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus und die Stärkung der Sicherheit der gesamten Bevölkerung in Bezug auf dieses Phänomen.

Zur Finanzierung der Fachstelle Brückenbauer und Radikalisierung der Kantonspolizei Solothurn wird eine Finanzhilfe in der Höhe von CHF 109'000 gesprochen. Das übergeordnete Ziel ist der Aufbau und die Weiterentwicklung der im Mai 2019 gegründeten Fachstelle Brückenbauer und Radikalisierung, die aus zwei Bereichen besteht. Das Fachgebiet Brückenbauer beinhaltet die Vernetzung zu interkulturellen und interreligiösen Gemeinschaften und Vereinigungen. Für den Bereich Radikalisierung sind die Sensibilisierung und die Schulung von Schlüsselpersonen zentral, damit Radikalisierungstendenzen frühzeitig erkannt und gemeldet werden. Schulungen bei Schlüsselpersonen und Ausbildungen bei Asylsuchenden werden ebenfalls durchgeführt. Zudem sollen polizeiintern die Mitarbeitenden im Bereich der interkulturellen Kompetenzen und zum Thema Erkennen von Radikalisierung laufend aus- und weitergebildet werden und zwar Mithilfe der Brückenbauer-Satelliten.

Für weitere Informationen: Niklaus Büttiker, 032 627 71 54, niklaus.buettiker@kapo.so.ch 

Zur Finanzierung des Relaunchs der Informationsplattform INFOREL wird eine Finanzhilfe in der Höhe von CHF 64'500 gesprochen. Ziele des Projekts sind die Überarbeitung und Aktualisierung von INFOREL als neutrales Informationsportal zu Religionsgemeinschaften in der Region Basel. Die bestehende Online-Informationsplattform zu Religionsgemeinschaften in der Nordwestschweiz soll aktualisiert, technisch überarbeitet und ausgebaut werden. Dieses steht Behörden und Privatpersonen zur Verfügung. Durch einen Relaunch sollen neue Funktionen hinzukommen, bspw. sollen Inhalte als PDF/Lehrblätter für Lehrer/innen und Interessierte zur Verfügung gestellt werden. 

Zur Unterstützung dieses Projekts wurde ein Betrag von CHF 41'320 gesprochen. Das Projekt hat die Erarbeitung zweier elektronischer Broschüren zum Ziel, wovon sich eine an die Sozialämter und die andere an Sozialarbeitende im Jugendbereich richtet. Die Dokumente umfassen fixe sowie auf die jeweilige kantonale Situation zugeschnittene Teile und werden in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der kantonalen Sozialämter erarbeitet. Auf diese Weise entstehen kantonsspezifische Versionen mit den jeweiligen Kontaktadressen. Die elektronischen Broschüren sind ein Instrument der Früherkennung. Sie erleichtern das Erkennen von Anzeichen einer Radikalisierung und befähigen die Fachleute, die effektive Gefährdung zu beurteilen sowie wenn nötig, im Einklang mit den im eigenen Kanton geltenden Verfahren, zu handeln. Die Broschüren sollen insbesondere auch Fragen zum Datenschutz bei Meldung eines Radikalisierungsverdachts klären.

Für weitere Informationen: Joanna Bärtschi, 031 320 29 88, joanna.baertschi@sodk.ch 

Die UVAM erhält einen Betrag in der Höhe von CHF 61'000. Das Ziel des Projektes ist Radikalisierung und gewalttätigen Extremismus von Muslimen aus dem Innern der islamischen Gemeinschaft selbst anzugehen um die betroffenen Personen vor sich selbst sowie die islamischen Zentren und die Gesellschaft als Ganzes zu schützen. Das Projekt umfasst konkrete Aktivitäten in zwei Bereichen: Präventionsarbeit in und mit den muslimischen Gemeinschaften und die Begleitung von potentiell betroffenen Personen. Diese Aktivitäten sollen in Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen erfolgen, indem UVAM als Partner für das kantonale Dispositiv fungiert.

Für weitere Informationen: Pascal Gemperli, 078 892 85 82, gemperli@uvam.ch 

Zur Finanzierung des Projekts wird eine Finanzhilfe in der Höhe von CHF 120'000 gesprochen. In der Deutschschweiz werden integrierte Geflüchtete bis 35 Jahre sowie andere Engagierte aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und anderen Ländern von NCBI als Multiplikator_innen («Brückenbauer_innen») weitergebildet, um für Verständigung und Toleranz sowie den Abbau von Vorurteilen und um präventiv gegen Gewalt, Radikalisierung und Extremismus aktiv zu werden. Die Weiterbildung erfolgt auf vielfältige Weise und zwar u.a. mittels Präsentationen, Workshops, Einzelbegleitung für gefährdete Geflüchtete, etc.). NCBI kann aufgrund seiner guter Vernetzung dabei auf die bisherige Zusammenarbeit mit vielen Organisationen und Behörden aufbauen.

Für weitere Informationen: Ronald Halbright, 044 721 10 50, ron.halbright@ncbi.ch

Mit dem geplanten Projekt soll ein Hilfsmittel entwickelt werden, welches einerseits die Begriffe (Radikalisierung, Diskriminierung, Vorurteile) definiert und die dahintersteckenden Konzepte erklärt und anderseits präventive Massnahmen (z.B. offene Kommunikation, lösungsorientiertes Verhalten, Konfliktmanagement etc.) vorstellt. Das Projekt, das eine Unterstützung von CHF 58'363 erhält, wird partizipativ mit den drei grossen Jugendverbänden Pfadibewegung Schweiz (PBS), Jungwacht Blauring Schweiz (Jubla) und Cevi Schweiz umgesetzt. Die Broschüre richtet sich an Leiter_innen von Jugendverbänden, die Weiterbildungen und Kurse im Bereich Inklusion und Diversität anbieten, respektive besuchen oder sich im genannten Bereich Wissen aneignen wollen. Diese fungieren dann als Schlüsselpersonen. Die Broschüre wird in der deutschen und der französischen Sprache vorliegen und allen 55 Jugendverbänden der SAJV digital zur Verfügung stehen.

Für weitere Informationen: Andreas Tschöpe, 031 326 29 33, andreas.tschoepe@sajv.ch

Der Verein QUAMS erhält 2020 einen Beitrag von CHF 165'000. Ziel des Projektes ist die Bereitstellung einer professionellen muslimischen Seelsorge und Beratung mittels eines kompetenten Pools an (ehrenamtlich tätigen) muslimischen Seelsorgerinnen und Seelsorgern für sämtliche öffentliche Institutionen des Kantons Zürich. Mit dieser Initiative soll die bisherige Lücke langfristig geschlossen werden mit der Absicht, dass ab 2022 VIOZ die muslimische Seelsorge selbständig sicherstellen kann. Die Umsetzung dieses Vorhabens umfasst sowohl Organisations- als auch Kompetenzentwicklung; die dafür erforderliche Weiterbildung wird vom Schweizerischen Zentrum Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg (SZIG) durchgeführt.

Für weitere Informationen: Muris Begovic, 043 343 05 25, m.begovic@islam-seelsorge.ch

Das Projekt, unterstützt 2020 mit dem Betrag in der Höhe von CHF 12'602, soll den Austausch fördern über individuelle Erfahrungen in der Arbeit mit Jugendlichen. Die Teilnehmenden können Gemeinsamkeiten entdecken und Barrieren abbauen, sich miteinander vernetzen und Ressourcen für ihre Arbeit mit Jugendlichen gewinnen. Der Austausch soll die Vertreter_innen zudem zur Reflexion ihrer Angebote befähigen. Zwar findet ein interreligiöser Austausch statt, jedoch mangelt es an einer Vernetzung von Fachleuten mit verschiedenen Religionszugehörigkeiten auf Ebene der Jugendarbeit. Die okaj zürich möchte diese Lücke schliessen und einen regelmässigen Austausch ermöglichen mit Vertreter_innen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften, die mit religiösen Jugendlichen arbeiten.

Für weitere Informationen: Leona Klopfenstein, 044 366 50 16, leona.klopfenstein@okaj.ch

Der kantonale Dachverband der offenen Jugendarbeit im Kanton Zürich erhält einen Betrag in der Höhe von CHF 35'000. Die Massnahmen zur Verhinderung von Radikalisierung bei Fussballfans sollen Jugendarbeitenden aktuelles Wissen zur Fankultur in der Schweiz vermitteln und sie in diesem Thema befähigen, jugendliche Fans in ihrer Lebenswelt begleiten und stärken zu können. Darüber hinaus sollen die Massnahmen auf das kreative und reflektierte Ausleben der Fankultur wirken und dieses fördern, um so eine Radikalisierung von Jugendlichen zu verhindern. Das Projekt findet im Kanton Zürich statt und wird durch die okaj zürich sowie der Fanarbeit Schweiz konzipiert und durchgeführt. Konkret sind deshalb Massnahmen geplant, die dem Wissenszuwachs, der Sensibilisierung und der Erweiterung der Handlungskompetenzen der Bezugspersonen in der Arbeit mit diesen Jugendlichen dienen.

Für weitere Informationen: Christoph Vecko, 044 366 50 19, christoph.vecko@okaj.ch

Zugunsten der Stadt Biel wurde einen Betrag von CHF 36'120 gesprochen. Das Projekt sieht vor, im Rahmen von französisch- und deutschsprachigen Workshops mit Kindern, Jugendlichen und Eltern in Primarschulen und Oberstufenzentren, sowie allenfalls in der offenen Kinder- und Jugendarbeit Diskussionsräume zu schaffen, die sich mit verschiedenen Werthaltungen und damit verbundenen Widersprüchen und Konflikten auseinandersetzen. Die Workshops werden altersgerecht ausgestaltet und umgesetzt. Anhand konkreter Alltagssituationen, die sich aus dem Zusammenleben in einer vielfältigen Stadt wie Biel ergeben, werden (ethische) Grundwerte für das Zusammenleben partizipativ herausgearbeitet und diskutiert sowie mittels Perspektivenwechsel Reflexionen über die eigenen Positionen angeregt.

Für weitere Informationen: Tamara-Elizabeta Iskra, 032 326 12 16, tamara.iskra@biel-bienne.ch

Nidau war bereits betroffen von Fällen von Radikalisierung. Deshalb verfügt Nidau über Präventionsmassnahmen und über Vernetzungsgefässe zur Erkennung von aktuellen Herausforderungen. Mit dem Programm, das einen Betrag in der Höhe von CHF 25'780 erhält, sollen jedoch Lücken geschlossen und bestehende Strukturen gestärkt werden. Vorgesehen sind Aktivitäten in den Bereichen: Sensibilisierung von Fach- und Schlüsselpersonen, Stärkung des Austausches und der Vernetzung, Förderung zum Zugang zu Informationen über Religionen und des interreligiösen Dialogs sowie Förderung des Zusammenlebens und Schutz vor Diskriminierung.

Für weitere Informationen: Corinne Trescher, 032 332 94 07, corinne.trescher@nidau.ch

Zugunsten der Universität Luzern wurde ein Beitrag von CHF 98'000 zur Unterstützung der Studie "Salafismus in der deutschsprachigen Schweiz" zugesprochen. Das mehrjährige Projekt erforscht systematisch mit sozialwissenschaftlichen empirischen Methoden das Feld des Salafismus in der deutschsprachigen Schweiz und stellt damit eine wissenschaftliche Grundlage für informiertes politisches und behördliches Handeln im Bereich von Prävention, Ausstieg und Reintegration in Bezug auf islamisch begründeten Extremismus bereit.

Für weitere Informationen: Jürgen Endres, 041 229 56 89, juergen.endres@unilu.ch

Zugunsten des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg wurde ein Betrag von CHF 86'847 zur Unterstützung des Certificate of Advanced Studies (CAS) gesprochen, welcher in der Deutschschweiz angeboten werden soll. Der CAS wendet sich an Betreuungspersonen muslimischen Glaubens und berücksichtigt spezifische Fragen zum Islam in öffentlichen Institutionen der Schweiz. Die Teilnehmenden dieser Weiterbildung erwerben Kompetenzen zur Beurteilung der Verletzlichkeit der von ihnen begleiteten Personen und entwickeln ihre Fähigkeit weiter, eine massgeschneiderte Unterstützung und Begleitung zu bieten. Sie kennen die Gegebenheiten der Institution und ihre Herausforderungen, sind für Radikalisierungsfragen sensibilisiert und verfügen über kulturelles und theologisches Wissen, mit denen sie Gegendiskurse oder alternative Diskurse zu radikalen Positionen vertreten können.

Für weitere Informationen: Hansjörg Schmid, 026 300 90 44, hansjoerg.schmid@unifr.ch

Zugunsten des SKJV wurde ein Betrag von CHF 75'450 zur Unterstützung des Projekts "Erarbeitung und Vermittlung des Handbuchs "Dynamische Sicherheit"" in den drei Landessprachen gesprochen. Das übergeordnete Ziel dieses Projekts ist die Förderung des Konzepts der dynamischen Sicherheit innerhalb der freiheitsentziehenden Anstalten des Justizvollzugs. Eine Institution, welche über ein auf dynamischer Sicherheit beruhendes Arbeitsverhältnis mit den inhaftierten Personen verfügt, kann demnach problematisches oder gefährliches Verhalten sowie Änderungen der psychischen und gesundheitlichen Verfassung der Strafgefangenen frühzeitig erkennen und angehen. Das Projekt sieht deshalb die Fertigstellung und Publikation des Handbuchs "Dynamische Sicherheit" sowie die anschliessende Vermittlung dieses Inhalts im Rahmen eines E-Learning Tools vor; dieses kann von einer Vielzahl von Mitarbeitenden im Justizvollzug im Selbststudium genutzt und mit einem elektronischen Zertifikat abgeschlossen werden.

Für weitere Informationen: Barbara Rohner, 026 425 44 86, barbara.rohner@skjv.ch

nach oben Letzte Änderung 28.02.2020