Strafverfolgung

Die Hilferufe der Opfer können auch indirekt erfolgen

Menschenhandel ist eine Straftat. Die strafrechtliche Verfolgung der Täter obliegt den kantonalen Justizbehörden. In der Schweiz beruht die Strafverfolgung auf mehreren gesetzlichen Grundlagen. Menschenhandel im Sinne des Strafgesetzbuches ist ein Verbrechen, wenn Menschen (Erwachsene wie auch Minderjährige) unter Ausnutzung ihrer Notlage zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft oder zwecks Entnahme eines Körperorgans angeworben, unter Zwang von einem Ort an einen anderen verbracht oder beherbergt und deren Dienste angeboten werden, um daraus Profit zu schlagen. Oft geht Menschenhandel mit anderen strafbaren Handlungen einher, wie Förderung der Prostitution, Menschenschmuggel, Beihilfe zur illegalen Einreise oder Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz.  

Polizeilich erfasste Straftaten von Menschenhandel und von Förderung der Prostitution

  2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Menschenhandel
(Art. 182 StGB)
50 52 45 78 61 46 58 125 125
Förderung der Prostitution
(Art. 195 StGB)
104 99 69 148 86 69 130 181 156

Quelle: Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik PKS (Anzahl erfasster Straftaten, Stand März 2018)

Verurteilung wegen Menschenhandels und wegen Förderung der Prostitution

  2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Menschenhandel
(Art. 182 StGB)
9 11 11 6 10 13 13 15 19 11 5
Förderung der Prostitution
(Art. 195 StGB)
16 14 25 99 8 15 19
26 14 3 5

Quelle: Bundesamt für Statistik, Strafurteilstatistik SUS (Anzahl erfasster Straftaten, Stand Juni 2018)

Opferhilfeberatungen der kantonal anerkannten Opferhilfestellen gemäss OHG

  2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
zu Art. 182 StGB
169
81
116 190 145 111 158 164
zu Art. 195 StGB
84
99
90
115
114
97
123
116

Quelle: Bundesamt für Statistik, Opferhilfestatistik (Entschädigungs-, Genugtuungs- und Beratungsfälle für Menschenhandel und/oder Prostitution, Stand Mai 2018)

Beratungen der spezialisierten Opferbetreuung FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration

  2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
zu Art. 182 StGB
131
153 154 151 160 156 172 169
zu Art. 195 StGB
55
40
55
47
17
22
10
9

Quelle: FIZ Jahresbericht 2017

In der Schweiz haben all diese Opfer Rechte. Wer infolge einer Straftat in seiner körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist, hat ungeachtet der Nationalität oder des Aufenthaltsstatus Anspruch auf Unterstützung und Hilfe (Bundesgesetz vom 23. März 2007 über die Hilfe an Opfer von Straftaten, OHG; SR 312.5).

Opfer von Menschenhandel sind traumatisiert. Sie haben psychische Gewalt, physische Gewalt oder beides erlitten. Deshalb haben sie ein Recht darauf, beschützt zu werden. Vor allem muss ihnen bei der Suche nach einem Obdach geholfen werden und sie müssen medizinische und juristische Unterstützung erhalten. Opfern, die sich während der Zeit, in der sie ausgebeutet worden sind, illegal in der Schweiz aufgehalten haben, steht das Recht auf eine Erholungs- und Bedenkzeit von mindestens 30 Tagen zu. Während dieser Zeit können sie ihre Lebenslage wieder stabilisieren. Sie müssen sich aber auch entscheiden, ob sie den Täter anzeigen und gegen ihn aussagen wollen. Ist das Opfer zur Zusammenarbeit mit den Behörden bereit, kann für die Dauer der polizeilichen Ermittlung oder des Gerichtsverfahrens eine Kurzaufenthaltsbewilligung erteilt werden (Art. 35 VZAE). Unabhängig davon, ob ein Opfer dazu bereit ist, gegen die Täter auszusagen, und wenn die Lage es erfordert (Härtefall), hat das Opfer ein Anrecht auf eine Aufenthaltsbewilligung. Als Zeuge geniesst das Opfer während des Strafverfahrens Zeugenschutz. Das Bundesgesetz über den ausserprozessualen Zeugenschutz (ZeugSG; SR 312.2) sieht vor, dass unter gewissen Bedingungen auch nach Abschluss des Strafverfahrens Schutzmassnahmen getroffen werden können.

Die Opfer werden auch bei der Rückkehr in ihr Land unterstützt (Rückkehrhilfe). Sie werden vor der Rückkehr beraten und erhalten materielle und finanzielle Hilfe, die ihnen die Wiedereingliederung erleichtern soll. Zuständig für die Rückkehrhilfe ist das Staatssekretariat für Migration (SEM). Zur Umsetzung aller Massnahmen arbeitet das SEM mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und spezialisierten NGOs zusammen.
 

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nach oben Letzte Änderung 23.07.2018