Opfer und Täter

Opfer

Das Versprechen auf ein besseres Leben

Opfer von Menschenhandel leben in Armut und Not, haben keine Ausbildung und keine Arbeit. Sie träumen von einer Zukunft in der Schweiz, einem wirtschaftlich attraktiven Land. Für die Menschenhändler ist es ein Leichtes, diesen Menschen falsche Versprechungen zu machen: Von einem besseren Leben, von einer Ausbildung, einer richtigen Arbeit und der Möglichkeit, Geld zu verdienen. Einmal in der Schweiz angekommen, sieht die Realität aber ganz anders aus.

Frauen, Männer und auch Kinder können Opfer von sexueller Ausbeutung oder Ausbeutung der Arbeitskraft werden. Die in der Schweiz lebenden sexuell ausgebeuteten Opfer stammen in der Regel aus südosteuropäischen Ländern, vor allem aus Rumänien, Ungarn und Bulgarien. Unter den Opfern finden sich aber auch Schweizer oder Menschen aus Thailand, China, aus der Dominikanischen Republik, aus Nigeria oder anderen westafrikanischen Ländern.

Sexuell ausgebeutet werden oft junge Frauen, denen vorgegaukelt wird, sie könnten als Haushaltshilfe, Babysitterin oder Coiffeuse genügend Geld verdienen und die Familie zuhause unterstützen. Bekannt ist auch die sogenannte „Loverboy-Methode“, bei der meist junge Männer jungen Frauen eine Liebesbeziehung vortäuschen, die Opfer so in ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis bringen, sie schliesslich manipulieren und sexuell ausbeuten. Die Loverboys begleiten die Frauen aus ihrer Heimat in die Schweiz, wo sie sich als Zuhälter entpuppen, bis sie ihre Opfer irgendwann verkaufen. Auch in der Schweiz suchen und finden Loverboys ihre Opfer.

Menschenhandel spielt sich im Verborgenen ab, weshalb die tatsächliche Zahl der Opfer in der Schweiz nicht bekannt ist.

Täter

Skrupellose Täter

Menschenhändler beuten ihre Opfer aus – skrupellos. Sie kontrollieren sie unmittelbar durch Drohungen sowie durch physische und psychische Gewalt. Sie nehmen ihnen die Reisepapiere ab und auch das Geld, welches sie mit ihrer Arbeit verdienen. Die Täter drohen damit, dass den Angehörigen etwas «passieren» würde. Den Opfern wird jegliche Möglichkeit zur Selbstbestimmung verwehrt. Sie finden sich in einem Abhängigkeitsverhältnis wieder, in dem sie wie Waren behandelt werden. Sie verlieren ihre Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit. Selbst das Recht, über ihren eigenen Körper zu bestimmen, wird ihnen verwehrt. Nachdem die Opfer in der Schweiz angekommen sind, wird von ihnen verlangt, dass sie die für ihre Reise entstandenen Kosten zurückbezahlen. Doch die Summen, die die Täter verlangen, sind unverhältnismässig hoch und ungerechtfertigt. Den Opfern bleibt nichts anderes übrig, als sich ausbeuten zu lassen.

Die Täter nützen diese Abhängigkeitssituation aus. Sie kaufen und verkaufen die Opfer, als handle es sich bei ihnen um Gegenstände. Menschenhandel ist ein lukratives Geschäft: Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt es weltweit rund 25 Millionen Opfer von Zwangsarbeit, darunter 4,8 Millionen, die sexuell ausgebeutet werden. Die ILO schätzt, dass mit Menschenhandel jährlich ein Umsatz von 150 Milliarden US-Dollar erzielt wird.
Zahlen zur Zwangsarbeit (ILO)
Geschätzter Umsatz (ILO)

Die Täter sind meistens Männer, bisweilen auch Frauen. Einige Opfer werden zu Komplizen, indem sie innerhalb eines Menschenhändlerrings – wie das in thailändischen oder nigerianischen Händlerringen der Fall ist – Überwachungs- oder Aufsichtsaufgaben übernehmen. Es ist beispielsweise bekannt, dass in den Zielländern in Europa nigerianische Frauen, ehemals selbst Opfer, Zuhälterinnen geworden sind – die sogenannten Madames. Oft stehen nigerianische Opfer auch unter dem psychologischen Einfluss der Menschenhändler, die im Herkunftsland der Opfer leben und Voodoo-Rituale vollziehen, um sie weiterhin unter Kontrolle zu halten.

In der Schweiz sind es in der Regel zwar oft Einzelpersonen, die mit Menschen handeln, aber auch kriminelle Netzwerke mit Verbindungen zu familiären oder ethnischen Gruppen kommen vor.

nach oben Letzte Änderung 11.07.2018