Fingerabdrücke und DNA-Profile: Informationen von ausländischen Behörden schneller erhalten

Der rasche Abgleich von DNA-Profilen und Fingerabdrücken ist ausschlaggebend dafür, dass Ermittlungen vorangebracht und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Fällen – sowohl in der Schweiz als auch im Ausland – erkannt werden können.

Um von ausländischen Behörden Informationen zu Fingerabdrücken und DNA-Profilen, sowie zu Fahrzeug- und Fahrzeughalterdaten zu erhalten, muss die Schweiz derzeit noch alle Länder separat anfragen. Ob diese über einschlägige Informationen verfügen, ist ungewiss. Ebenso wenig gibt es eine Garantie dafür, dass die Anfrage beantwortet wird.

Ein Kooperationsabkommen (Prümer Zusammenarbeit) ermöglicht eine Beschleunigung dieses Informationsaustausches. Wie? Indem bestimmte Schweizer Informationssysteme mit denen anderer europäischer Länder verbunden werden.

Die betroffenen Informationssysteme der Schweiz sind:

Dank dieser Verbindungen wird fedpol innerhalb kürzester Frist erfahren, welche ausländischen Behörden über sachdienliche Informationen verfügen.

Findet sich in einem der ausländischen Systeme eine solche Information, kann sich fedpol auf dem Amts- oder Rechtshilfeweg direkt an die zuständige Behörde wenden, und die nötigen Details, vor allem personenbezogene Daten der betroffenen Person, beantragen.

Dank dieser Zusammenarbeit können

  • Kriminelle oder Zeugen;
  • Personen, nach denen international gefahndet wird;
  • Personen, die vermisst werden oder verstorben sind 

schneller als bisher lokalisiert und identifiziert werden.

Der schnellere Zugang zu Informationen ausländischer Behörden erlaubt effizientere Ermittlungen und verbessert die internationale Polizeizusammenarbeit.

Wien – Österreich: 2015 wurde ein 75-jähriges Ehepaar ermordet. Auf einem Handschuh fand sich eine DNA-Spur des Täters. Die Suche in der nationalen österreichischen DNA-Datenbank blieb ergebnislos. Aber dank des Abgleichs dieser Spur mit den in Datenbanken anderer europäischer Länder verzeichneten DNA-Spuren, erhielt die österreichische Polizei innerhalb weniger Minuten die Rückmeldung, dass in den deutschen und niederländischen Datenbanken ein ähnliches DNA-Profil gespeichert ist. Keine drei Wochen später wurden dank des DNA-Abgleichs der Täter, ein polnischer Serienmörder, in Deutschland verhaftet und gleichzeitig andere Verbrechen (darunter ein Mord in Schweden) aufgeklärt.  

Auch das PCSC-Abkommen (Cooperation in «Preventing and Combating Serious Crime») – ein zwischen der Schweiz und den USA vereinbartes Abkommen, das inhaltlich ähnlich ist wie das Prümer Abkommen – sieht den automatisierten Austausch von DNA-Profilen und Fingerabdrücken vor. Dadurch wird auch die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und den USA effizienter. 

Zugriff der Strafverfolgung auf Eurodac

Der automatisierte Austausch von Fingerabdrücken und DNA-Profilen («Prüm» Kooperation) ist eine Bedingung dafür, dass die Strafverfolgungsbehörden auf die Eurodac-Datenbank zugreifen können.

In der Eurodac-Datenbank werden die Fingerabdrücke von Personen gespeichert, die in einem Dublin-Staat ein Asylgesuch einreichen oder bei der illegalen Einreise aufgegriffen werden.

Strafverfolgungsbehörden dürfen die Eurodac-Datenbank nur zur Prävention und zur Aufdeckung schwerer Straftaten, bei Terrorismusverdacht und im Rahmen diesbezüglicher Ermittlungen konsultieren.

Am 13. Dezember 2019 hat der Bundesrat das Vernehmlassungsverfahren über die Genehmigung und Umsetzung dieser drei internationalen Kooperationsabkommen (Prüm, PCSC, Eurodac) eröffnet. Die Vernehmlassung dauert bis am 31. März 2020. 

nach oben Letzte Änderung 13.12.2019