fedpol bei der EURO 2016

fedpol ist bei der Fussball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich mit dabei. Eine achtköpfige Polizeidelegation wird vor Ort präsent sein. Sie besteht aus Hooliganismus-Experten von fedpol und den kantonalen Polizeikorps. 

Bei Fussball- und Eishockeyspielen in der Schweiz sind die Kantone für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig. So ist es ihre Aufgabe, gegen Risikofans vorzugehen. Die kantonalen Polizeikorps entscheiden über das Sicherheitsdispositiv (z. B. die Zahl aufgebotener Polizistinnen und Polizisten). Bei Fussballveranstaltungen, die im Ausland stattfinden, wie die EURO 2016, wirkt fedpol als nationale Fussballinformationsstelle (National Football Information Point, NFIP). Deshalb gewährleistet fedpol bei der EURO 2016 den Kontakt zwischen den französischen Polizeibehörden, den kantonalen Polizeikorps und den Schweizer Fanclubs (Fan Embassy) und Fussballverbänden. Massnahmen sind getroffen worden, damit die Europameisterschaft bei Spielen der Schweizer Nati für die Zuschauer und die Fans reibungslos verläuft.  

Fans über Sicherheitsmassnahmen informieren

Eine der Massnahmen ist die Entsendung einer achtköpfigen, fedpol unterstehenden Polizeidelegation nach Frankreich. Ein mobiles Team von sechs Polizeibeamtinnen und -beamten wird nach Lens (11. Juni), Paris (14. Juni) und Lille (19. Juni) reisen, um vor Ort die Begegnungen der Schweizer Nati zu verfolgen. Einmal ist keinmal: Das mobile Team wird so lange tätig sein, wie sich die Nati für die jeweils nächste Runde qualifizieren kann, und hofft darauf, möglichst lange im Einsatz bleiben zu können. Mit der Präsenz des mobilen Teams in den Stadien, den Fanzonen und während die Fans von einem Austragungsort zum anderen reisen, soll ein aktiver Dialog mit den Schweizer Fans sichergestellt und der Kontakt zu den französischen Behörden ermöglicht werden. Dieses mobile Team ist der französischen Polizei unterstellt, die auch über die Einsatzdetails entscheidet.

Ein weiteres Team ist in Paris im Centre de coopération de police internationale (CCPI) – dem Zentrum für internationale polizeiliche Zusammenarbeit – fest stationiert. Es besteht aus zwei Polizeibeamten. Sie gewährleisten die Verbindung zwischen den französischen Behörden und der Schweiz. Mit den französischen Partnerstellen sollen laufend intensiv Informationen ausgetauscht werden, um Risikoverhalten von bestimmten Schweizer Fans vorbeugen zu können. fedpol kann Personen, die ein Risikoverhalten aufweisen, die Ausreise nach Frankreich untersagen, Stadionverbote empfehlen und bei den kantonalen Polizeibehörden den Erlass von Rayonverboten und Meldeauflagen beantragen.

Eine EURO 2016 unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

Vor dem Hintergrund des derzeitigen geopolitischen Kontextes – Terrorismus stellt eine reale Bedrohung dar – findet die EURO 2016 unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Für terrorismusrelevante Sicherheitsfragen ist die französische Polizei zuständig; das mobile Team hat indessen auch die Aufgabe, die Fans über spezielle Sicherheitsmassnahmen zu informieren, welche die französischen Behörden treffen können.

Und in der Schweiz?

In der Schweiz sind die kantonalen Polizeikräfte für die zu treffenden Sicherheitsmassnahmen auf ihrem Territorium zuständig. Sie beurteilen die Bedrohungslage insbesondere unter Berücksichtigung der vom Nachrichtendienst des Bundes erstellten Bewertung der Lage (s. Kastentext) und entscheiden von Fall zu Fall über die erforderlichen Massnahmen. Das Grenzwachtkorps setzt seine enge Zusammenarbeit mit der Police aux frontières française (PAF) – der französischen Grenzschutzpolizei – fort. Während der EURO 2016 werden die Züge in Richtung Frankreich vermehrt ausgelastet sein und die von der PAF durchgeführten Kontrollen an der französischen Grenze verstärkt. In den Zügen und an den Grenzübergängen werden deshalb mehr Grenzpersonal und gemischte Patrouillen eingesetzt werden. 

Dem NDB liegen derzeit keine konkreten Hinweise auf terroristische Drohungen oder Anschlagsplanungen vor, die gegen die in Frankreich stattfindende EURO 2016 oder gegen Fanzonen in der Schweiz gerichtet sind. Mit gewaltsamen Aktionen im Zusammenhang mit der Fussballeuropameisterschaft von Seiten gewaltextremistischer Gruppierungen ist in der Schweiz nicht zu rechnen. Kleinere gewaltsame Auseinandersetzungen ohne terroristischen oder gewaltextremistischen Hintergrund sind möglich.

Die Anschläge in Brüssel vom 22. März 2016 bestätigen die Beurteilung, die der NDB zu Beginn des Monats November 2015 vorgenommen hat. Die terroristische Bedrohungslage in der Schweiz bleibt erhöht. Die anhaltend erhöhte Terrorbedrohung in Europa allgemein ist auf eine hohe Anzahl von dschihadistisch motivierten Reisebewegungen zurückzuführen, aber auch auf die direkten Aufrufe des "Islamischen Staats" und weiterer Terrorgruppierungen, Anschläge auf westliche Ziele zu verüben, sowie auf die in den letzten Monaten verübten Anschläge. Obwohl solche Anschläge auch in der Schweiz verübt werden könnten, gibt es bis heute keine konkreten Hinweise für eine direkte Bedrohung der Schweiz und ihrer Interessen.

Die Schweiz oder Schweizer Interessen im Ausland sind nicht primäre Ziele eines vom „Islamischen Staat“ oder der Kern-al-Qaida und ihrer Ableger in Auftrag gegebenen bzw. organisierten Anschlags. Gleichwohl gehört die Schweiz zur westlichen, von Dschihadisten als islamfeindlich wahrgenommenen Welt und stellt damit ein mögliches Ziel terroristischer Anschläge dar. Interessen von Staaten, die sich an der militärischen Koalition gegen den "Islamischen Staat" beteiligen, sowie russische, jüdische/israelische und arabische Interessen auf Schweizer Territorium bleiben besonders bedroht.

nach oben Letzte Änderung 07.06.2016