Finanzhilfen für Massnahmen zur Verhütung von Straftaten im Zusammenhang mit Prostitution

Schlagwörter: Kriminalprävention

Hintergrund

Personen, die Prostitution betreiben, sind besonders gefährdet, Opfer von Zwang und Gewalt zu werden, oder sie werden in ihrer Notlage ausgenützt. Entsprechend wichtig ist die Präventions- und Sensibilisierungsarbeit, die sich in erster Linie an diese Personen richtet, aber auch an Freier oder Betreiber von Etablissements.

Artikel 386 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB, SR 311.0) ermöglicht es dem Bund, Massnahmen zu ergreifen, die darauf abzielen, Straftaten zu verhindern und der Kriminalität vorzubeugen. Gestützt auf diesen Artikel wurde per 1. Januar 2016 die Verordnung über Massnahmen zur Verhütung von Straftaten im Zusammenhang mit Prostitution (SR 311.039.4) in Kraft gesetzt. Somit kann fedpol kriminalpräventive Massnahmen von öffentlichen oder privaten Organisationen zum Schutz von Personen, die Prostitution betreiben, finanziell unterstützen. Ab 2017 stehen zu diesem Zweck jährlich CHF 400‘000.00 zur Verfügung. Die tatsächlich verfügbaren Gelder hängen letztlich aber von der Höhe des jährlich vom Parlament bewilligten Budgets ab.

Organisationen des öffentlichen oder privaten Rechts, die ein Projekt zur Verhinderung von Kriminalität im Zusammenhang mit Prostitution durchführen möchten, können bei fedpol ein Gesuch um finanzielle Unterstützung einreichen.

Projektziele

Die finanziellen Mittel sollen Massnahmen zu Gute kommen, um Personen, die Prostitution betreiben, für mögliche Formen der Kriminalität zu sensibilisieren und ihnen aufzuzeigen, wie sie sich davor schützen oder wo sie Hilfe holen können. Auch Freier und Vermieter von Räumlichkeiten im Milieu sind Zielgruppe der Sensibilisierungsmassnahmen.

Ein zentraler Regelungsinhalt der Verordnung ist die Abgrenzung zwischen den generell gefahrenbehafteten Aspekten jeglicher Natur, denen Personen, die Prostitution ausüben, ausgesetzt sind, von jenen Kriminalitätsphänomenen, die im Rahmen der Verordnung mittels Ausrichtung von Finanzhilfen präventiv angegangen werden können: Ausnützung der Notlage (Art. 193 StGB), Förderung der Prostitution (Art. 195 StGB), strafbare Handlungen gegen Leib und Leben (Körperverletzung Art. 122-125 StGB, Tätlichkeiten Art. 126 StGB und Gefährdung des Lebens Art. 129 StGB), Nötigung (Art. 181 StGB) sowie Freiheitsberaubung und Entführung (Art. 183 StGB).

Allgemeine Informationen zu den Gesuchen

Falls Sie eine Finanzhilfe beantragen möchten, bitten wir Sie folgendes zu beachten:

  • Die Subventionen betragen maximal 50% der gesamten Ausgaben eines Projekts. Die weitere Finanzierung muss bei Einreichung des Gesuchs gesichert sein.
  • Die Finanzhilfegesuche müssen bestimmten, in der Verordnung festgelegten inhaltlichen und formellen Vorgaben entsprechen (siehe Verordnung, Artikel 4–14).
    Verordnung
  • Bitte lesen Sie die Richtlinie für das Gesuchsverfahren, bevor Sie ein Gesuch einreichen. Sie informiert über die Bedingungen und über die Beurteilungskriterien der Projekte.
    Richtlinien
  • Hier finden Sie ein anschauliches Budgetbeispiel
    Budgetbeispiel

Was muss das Gesuchdossier beinhalten?

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass ein Gesuch nur vollständig ist, wenn folgende Unterlagen eingereicht werden:

  1. das ausgefüllte Deckblatt
    Deckblatt
  2. das ausgefüllte Gesuchsformular
    Gesuchsformular
  3. die Statuten der gesuchstellenden Organisation;
  4. der letzte Geschäftsbericht;
  5. das Budget der Organisation für das laufende Jahr sowie Budget und Finanzplan für die Folgejahre;
  6. das für das Projekt festgelegte Budget;
  7. ein auf die gesuchstellende Organisation lautender Einzahlungsschein.

Bitte senden Sie uns diese Daten sowohl elektronisch (d.h. mit der Funktion "per E-Mail versenden" im Dokument Deckblatt) als auch per Post (Deckblatt unterschreiben) zu.

Eingabefrist

Die Gesuche um Finanzhilfen für das darauffolgende Jahr müssen bis zum 31. Juli eingereicht werden.

Unterstützte Projekte 2017

Gestützt auf im Jahr 2016 eingereichte Finanzhilfegesuche unterstützt fedpol im Jahr 2017 Projekte zur Verhinderung von Kriminalität im Zusammenhang mit Prostitution folgender Organisationen: 

Zugunsten von LISA wurde ein Betrag von CHF 25‘836.00 gesprochen zur Unterstützung des seit 2013 bestehenden Beratungsangebots „hotspot“ auf dem Luzerner Strassenstrich. Mit der Finanzhilfe von fedpol sollen zwei Aktivitäten unterstützt werden: Einerseits der Ausbau der Öffnungszeiten des Containers vor Ort, andererseits Weiterbildungen für das Beratungsteam im Bereich Gewalt- und Kriminalprävention. LISA bezweckt die Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation der Sexarbeitenden, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Geschlecht. Für weitere Informationen: Brigitte Snefstrup, Tel. 079 502 76 55, www.verein-lisa.ch.

Zugunsten von Aliena wurde ein Betrag von CHF 40‘494.00 gesprochen. Mit der Finanzhilfe von fedpol sollen im Verlaufe eines Jahres kriminalpräventive Workshops zu verschiedenen Themenschwerpunkten wie Rechte und Arbeitsbedingungen im Sexgewerbe, Opferhilfe, Gewaltpräventionsmassnahmen und Selbstverteidigung angeboten werden. Aliena ist eine Beratungsstelle im Raum Basel für Frauen, insbesondere Migrantinnen, die im Sexgewerbe tätig sind. Der Trägerverein ist Compagna. Für weitere Informationen: Viky Eberhard, Tel. 061 681 24 14, www.compagna-bs.ch

Zugunsten von Fri-Santé wurde ein Betrag von CHF 10‘500.00 gesprochen zur Unterstützung des seit 2007 bestehenden Projekts Grisélidis. Es handelt sich dabei um ein Projekt, das sich mit der Prävention und der Gesundheitsförderung bei Sexarbeitenden beschäftigt. Mit der Finanzhilfe von fedpol sollen diese im ganzen Kanton Freiburg mittels Informationen über Menschenhandel, Zwangsprostitution und Gewalt informiert und sensibilisiert werden. Für weitere Informationen: Laurence Charrat Diop, Tel. 026 901 88 89, www.griselidis.ch

Zugunsten der beiden Beratungsstellen im Kanton Tessin wurde ein Betrag von CHF 25'000.00 gesprochen. Mit der Finanzhilfe von fedpol sollen Personen, die Prostitution betreiben, unterstützt werden, um sie vor Ausnutzung einer Notlage, Wucher, physischer und psychischer Gewalt zu schützen. Durch die Beratungen sollen Abhängigkeitsverhältnisse zu Betreibern von Etablissements und zu Wohnungsvermietern verringert und die Unabhängigkeit der Sexarbeitenden gefördert werden. Für weitere Informationen: Vincenza Guarnaccia, Tel. 091 923 80 40, www.zonaprotetta.ch

Rechtliche Grundlagen

Dokumente

nach oben Letzte Änderung 21.11.2017

Kontakt

Hanspeter Dolder Stab
Sektionschef Allgemeine Polizeianalysen, Dokumentation und Sprachdienste
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