Mögliche Zunahme der Kriminalität infolge der Einführung des Euros

Arbeitsgruppe zeigt Gefahren auf und empfiehlt präventive Massnahmen

Medienmitteilungen, fedpol, 20.10.1999

Die Einführung des Euros kann auch in der Schweiz eine Zunahme der Kriminalität zur Folge haben. Die in der Schweiz bestehenden Abwehrmassnahmen genügen grundsätzlich. Sie können aber nur dann erfolgreich angewendet werden, wenn die möglichen Gefahren bekannt sind. Zu diesem Schluss gelangt eine von der Meldestelle für Geldwäscherei eingesetzte Arbeitsgruppe.

Durch die Ueberführung von elf europäischen Währungen in den Euro ist auch die Schweiz in verschiedener Hinsicht betroffen: Neben den volkswirtschaftlichen und währungspolitischen Folgen sind auch die Auswirkungen im Bereich der Kriminalität im Auge zu behalten. Auf Einladung der Meldestelle für Geldwäscherei des Bundesamtes für Polizeiwesens (BAP) haben deshalb Experten in einem Bericht die möglichen Gefahren aufgezeigt und eine Reihe von Empfehlungen für die Prävention ausgearbeitet. Die Arbeitsgruppe will mit ihrem Bericht die Oeffentlichkeit sowie die betroffenen Firmen und Institutionen informieren und bezüglich möglicher Risiken sensibilisieren. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe müssen die Behörden und betroffenen Bereiche mit den entsprechenden technischen Mitteln und personellen Ressourcen ausgestattet werden, um präventiv und nicht nur reaktiv nach der Entdeckung allfälliger Straftaten handeln zu können.

Vorbereitungen für kriminelle Handlungen

Am 1. Januar 1999 wurde der Euro als Buchgeld eingeführt. Er besitzt – abgesehen von den noch fehlenden Banknoten und Münzen – alle Eigenschaften einer Währung. Bereits im Vorfeld dürften Vorbereitungshandlungen stattgefunden haben, indem Kriminelle die notwendige Infrastruktur (z.B. durch den Missbrauch von Informationstechnologien) bereitgestellt haben. Auch während der bis zum 31. Dezember 2001 dauernden Buchgeldphase liegt das Gefahrenschwergewicht auf den Vorbereitungshandlungen. Für die Banken und die Post besteht die Hauptproblematik darin, dass Kriminelle die Software bei Geldausgabe- und Geldwechselautomaten manipulieren können, um dies später zum eigenen Vorteil auszunutzen. Auch das Risiko von Manipulationen im Rechnungswesen muss ausreichend berücksichtigt werden. Es ist ferner möglich, dass Kunden von Banken und anderen Finanzintermediären "Tarnargumente" (z.B. steuerliche Gründe) anführen, um grössere Transaktionen von Geldern krimineller Herkunft zu plausibilisieren. Die Finanzintermediäre dürfen trotz des enormen Volumens an Transaktionen solche "Tarnargumente" nicht als alleinige Erklärung akzeptieren, sondern müssen ihre Kontrollaufgaben konsequent wahrnehmen.

Bewegung im Bereich Falschgeldkriminalität

Ab 1. Januar 2002 wird der Euro neben den nationalen Währungen gesetzliches Zahlungsmittel sein. Während dieses Doppelwährungszeitraumes, der bis spätestens 30. Juni 2002 dauert, drohen verschiedene Risiken. So dürften vermehrt gefälschte Banknoten bisheriger nationaler Währungen in Umlauf gebracht werden. Denn Kriminelle müssen bereits hergestelltes Falschgeld bis zum Ende der Umtauschphase in Umlauf bringen, um das spätere hohe Entdeckungsrisiko beim Eintausch bei den Zentralbanken oder einen Verlust des Falschgeldes zu vermeiden. Es ist weiter davon auszugehen, dass bereits in dieser Phase gefälschte Euro-Banknoten in Umlauf gesetzt werden. Deshalb ist nicht nur eine gezielte Schulung des betroffenen Personals, sondern auch eine breite Information der Bevölkerung in den grenznahen Gebieten und den Tourismusregionen erforderlich. Es ist ferner damit zu rechnen, dass unseriöse Geldwechselanbieter versuchen, ohne Bewilligung ihre Dienste anzubieten.

Bevölkerung vermehrt informieren

Alle diese Gefahren bestehen auch nach dem Doppelwährungszeitraum, wenn der Euro das alleinige Zahlungsmittel in allen Staaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) sein wird. Nach dem 1. Juli 2002 dürfte der Umtausch der bisherigen nationalen Banknoten und Münzen vermehrt in Drittstaaten, namentlich in der Schweiz, erfolgen. Dies gilt insbesondere auch für Gelder krimineller Herkunft, da ein potentieller Geldwäscher den direkten Verkehr mit den Zentralbanken vermeiden will. Deshalb müssen die Finanzintermediäre insbesondere auf grössere Umtauschaktionen achten und allenfalls vertiefte Hintergrundabklärungen vornehmen. Während allen Phasen besteht schliesslich die Gefahr, dass Kriminelle die Unkenntnis der Bevölkerung über die Umstände der Währungsumstellung ausnutzen können. Um dies zu verhindern, müssen die Finanzintermediäre und Behörden vermehrt Oeffentlichkeitsarbeit leisten.

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