Bundesamt für Polizei

Trotz Rückgang der Verdachtsmeldungen: Kinderpornografie bleibt die meistgemeldete Kategorie bei KOBIK

Medienmitteilungen, fedpol, 03.04.2012

Bern. Die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (KOBIK) beim Bundesamt für Polizei (fedpol) hat 2011 weniger Verdachtsmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Insgesamt sind bei KOBIK 5‘330 Meldungen eingegangen. Das entspricht einem Rückgang von 14% gegenüber dem Vorjahr. Bei den Meldungseingängen nach Kategorie fällt im Vergleich zum Vorjahr vor allem der Rückgang von Meldungen im Bereich "harte Pornografie" sowie der Anstieg von Meldungen im Bereich "Wirtschaftskriminalität" auf.

Mit 1206 Meldungen bleibt die Kategorie "harte Pornografie" dennoch die Kategorie mit den meisten Meldungen. 90% der Meldungen dieser Kategorie betreffen den Tatbestand der Kinderpornografie. Trotz Rückgang der Meldungseingänge in dieser Kategorie kann nicht darauf geschlossen werden, dass solche Inhalte und Verstösse im Internet effektiv abgenommen haben. Der Rückgang ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass diese Inhalte öffentlich immer weniger sichtbar sind. Pädokriminelle ziehen sich bewusst in geschlossene oder nur schwer zugängliche Plattformen (Foren, Gruppen, soziale Netzwerke) zurück. Das erlaubt ihnen einen diskreteren und anonymeren Austausch von kinderpornografischem Material.

Meldungsanstieg in der Kategorie Betrug

Nachdem die Meldungen in der Kategorie "allgemeine Pornografie" 2010 zurückgegangen sind, nahmen sie im Berichtsjahr wieder leicht zu. Die Meldungen in der Kategorie "SPAM" gingen das vierte Jahr in Folge zurück. Möglicher Grund dafür könnte sein, dass Betroffene generell gleichgültiger gegenüber SPAM geworden sind und deshalb auf eine Meldung an KOBIK verzichten. Gleichzeitig führen immer besser funktionierende SPAM-Filter dazu, dass unerwünschte Meldungen frühzeitig erkannt und so durch den Benutzer gar nicht mehr wahrgenommen werden.

Bei der "Wirtschaftskriminalität" fällt vor allem der Anstieg von 53% bei den Meldungen der Kategorie "Betrug" auf. Im Fokus von meist ausländischen Betrügern stehen insbesondere Personen, die ihre Einkäufe über Online-Tauschbörsen oder Kleinanzeigen (Autos, Wohnungen, Elektrogeräte usw.) tätigen. Auch die Meldungen der Kategorie Wirtschaftsdelikte (insbesondere Phishing- und Geldwäscherei-Fälle) haben stark zugenommen (+ 28%). Die Täter haben es dabei insbesondere auf die Zugangsdaten von E-Banking-Konten und Online-Tauschbörsen abgesehen.

Kein rechtsfreier Raum im Internet dank der verdachtsunabhängigen Bekämpfung der Pädokriminalität

KOBIK beschränkt sich nicht nur auf die Entgegennahme und Bearbeitung von Meldungen aus der Bevölkerung. Mit verdachtsunabhängigen Recherchen im Internet ist KOBIK auch in weniger zugänglichen Bereichen des Internet präsent. Aufgrund der aktiven Recherchen konnten 2011 insgesamt 225 Verdachtsdossiers erstellt werden. Von diesen Verdachtsdossiers wurden 223 an die kantonalen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet. Zwei weitere Fälle fielen in die Zuständigkeit ausländischer Behörden und wurden weitergeleitet.

Die Mehrheit der Verdachtsdossiers resultiert aus der Überwachung von P2P-Netzwerken nach Pädokriminellen. Durch das aktive Monitoring gelang es, 214 Personen zu identifizieren, die aktiv am Austausch von Kinderpornografie auf P2P-Netzwerken beteiligt waren. Gestützt auf die Schwyzer Polizeiverordnung wurden KOBIK-Mitarbeitende 2011 zudem in 16 Fällen als verdeckte Vorermittler in Chatrooms tätig. Gestützt auf die dabei gewonnenen Erkenntnisse konnten in einigen Fällen in den verschiedenen betroffenen Kantonen strafprozessuale Ermittlungsmassnahmen wie Hausdurchsuchungen und Befragungen durchgeführt werden. Die eröffneten Verfahren sind noch hängig.

2011 hat KOBIK insgesamt 263 Verdachtsdossiers zuhanden der kantonalen Strafverfolgungsbehörden erstellt. Diese stammen einerseits aus den eigenen verdachtsunabhängigen Recherchen oder aber aus den Meldungen, die KOBIK via Meldeformular erreicht haben. Wie schon in den letzten Jahren wurden dabei die meisten Verdachtsdossiers an die bevölkerungsstärksten Kantone (u.a. Zürich, Bern und Waadt) weitergeleitet. Laut Rückmeldungen aus den Kantonen führten dabei 91% aller weitergeleiteten KOBIK-Fälle zu Hausdurchsuchungen durch kantonale Polizeibehörden. Bei 84% der Hausdurchsuchungen, die aufgrund der Verdachtsmeldungen durchgeführt wurden, konnte einschlägiges illegales Material beschlagnahmt werden. Bei den sichergestellten strafbaren Inhalten handelte es sich in 94% um Kinderpornografie.

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