Bundesamt für Justiz

Internationale Kindesentführungen

Statistik 2001 der schweizerischen Zentralbehörde

Medienmitteilungen, BJ, 09.07.2002

Bern, 9.7.2002. Die Zentralbehörde zur Behandlung internationaler Kindesentführungen im Bundesamt für Justiz hat im Jahr 2001 108 formelle Anträge von Eltern entgegengenommen. Knapp ein Drittel der Anträge (33) betrafen die Verletzung eines Besuchsrechts. Eingehende (49) und ausgehende Anträge (59) halten sich fast die Waage.

Die grosse Mehrheit der Anträge basieren auf dem Haager Übereinkommen vom 25. Oktober 1980 über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführungen (www.hcch.net), während das Europäische Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen über das Sorgerecht und die Wiederherstellung des Sorgerechts vom 20. Mai 1980 (www.coe.int) in nur 6 Fällen angerufen wurde.

Die Schweiz ist im Rahmen des Haager und des Europäischen Übereinkommens zurzeit mit rund 60 Staaten vertraglich verbunden und hat ihre Anträge vor allem in folgende Länder übermittelt: Frankreich, Jugoslawien, USA, Deutschland, Grossbritannien, Portugal und Italien. Anträge aus dem Ausland an die Schweiz kamen hauptsächlich aus folgenden Ländern: Deutschland, Italien, USA, Ungarn, Australien, Kanada und Portugal.

Fälle schneller geregelt

Auf der einen Seite hat die Zahl der Kinder, die von der Schweiz ins Ausland entführt wurden, abgenommen (10 Fälle weniger als im Jahr 2000); auf der anderen Seite sind mehr Kinder aus dem Ausland in die Schweiz entführt worden (15 Fälle mehr als im Jahr 2000). Entführender Elternteil ist nach wie vor häufiger die Mutter (steigende Tendenz gegenüber dem Vorjahr). Die Gerichte und Behörden haben die Entführungsfälle schneller geregelt, so dass im Vergleich zum Vorjahr mehr Fälle innerhalb des gleichen Jahres abgeschlossen werden konnten.

Rahmen zur Verfügung stellen

Entführungen vom Ausland in die Schweiz werden am häufigsten von schweizerischen Müttern vorgenommen, die es nach gescheiterter Beziehung oder Ehe zurück in ihre Heimat zieht. Die schweizerischen Gerichte haben regelmässig die Rückführung der Kinder angeordnet, sofern eine schwere Gefahr für das Kind ausgeschlossen werden konnte. Die Zentralbehörde kann - in Zusammenarbeit mit ihrer Partnerbehörde im Ausland - diesen Müttern helfen, die Rückreise ins Land ihres gewöhnlichen Aufenthaltes zu organisieren, wo nach den staatsvertraglichen Verpflichtungen der Schweiz die Elternrechte geregelt werden müssen.

Haager Übereinkommen vom 25. Oktober 1980 über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführungen (HEntfÜ)

Europäisches Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen über das Sorgerecht und die Wiederherstellung des Sorgerechts vom 20. Mai 1980 (ESÜ)

Statistik 2001 der schweizerischen Zentralbehörde

108 formelle Anträge, davon 6 im Rahmen des ESÜ (7%), davon 33 Besuchsrechtsfälle (35.5 %).

Anträge der Schweiz ins Ausland: 59
davon 20 Besuchsrechtsfälle

 Detail: 6 Rückkehr angeordnet
  10 Freiwillige Rückkehr
  3 Rückkehr abgelehnt
  3 Besuchsrecht angeordnet
  2 Besuchsrecht freiwillig geregelt
  1 Besuchsrecht abgelehnt
  7 Einigung zwischen den Parteien
  3 Antrag von Zentralbehörde abgelehnt
  24 Verfahren noch nicht abgeschlossen

Länder: Frankreich (12); Jugoslawien (7); USA (6); Deutschland (4); Grossbritannien (3); Portugal (3); Italien (3) und div.

Anträge aus dem Ausland an die Schweiz: 49
davon 13 Besuchsrechtsfälle

 Detail:5 Rückkehr angeordnet
 6 Freiwillige Rückkehr
 3 Rückkehr abgelehnt
 3 Besuchsrecht freiwillig geregelt
 11 Besuchsrecht abgelehnt
 2 Einigung zwischen den Parteien
 2 Antrag von Zentralbehörde abgelehnt
 17 Verfahren noch nicht abgeschlossen

Länder: Deutschland (5); Italien (5); USA (4); Ungarn (4); Australien (3); Kanada (3); Portugal (3) und div.

Kontakt / Rückfragen
Bundesamt für Justiz, T +41 58 462 77 88, Kontakt