"Keiner findet es hier kuschelig"

Interviews, EJPD, 20.04.2010. 20 Minuten, Jonas Hoskyn

20 Minuten: "Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf hat den Arxhof besucht. In dem offenen Jugendknast für schwere Jungs sass auch der Mörder von Lucie."

Ein bisschen flau im Magen dürfte der BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf gestern schon gewesen sein. Am Ende einer Führung durch das Massnahmenzentrum Arxhof sass die Justizministerin plötzlich allein am Tisch – mit einem Brandstifter, einem Vergewaltiger und einem Mörder.

Frau Bundesrätin, wie war Ihr Eindruck?
Die Jugendlichen haben hier die Riesenchance, eine Lehre zu absolvieren. Gleichzeitig ist die Zeit für sie auch sehr hart.

Hart? Der Arxhof ist ein offenes Massnahmenvollzugszentrum, die Straftäter haben sogar Ausgang.
Es gibt bedeutend härtere Strafen als das Gefängnis. Aus der Optik der Jugendlichen wäre es einfacher, die Zeit vor dem Fernseher in einer Haftanstalt abzusitzen, als sich hier vor ihren Kollegen mit ihren Taten auseinandersetzen zu müssen.

Trotzdem hören die Vorwürfe nicht auf, es herrsche eine Kuscheljustiz.
Keiner, der hier länger als einen Tag sitzt, würde das als kuschelig bezeichnen. Es gibt einen strikten Tagesablauf, Therapie, und wer nicht mitmacht, kriegt harte Sanktionen. Schauen Sie sich die Zahlen an: Die Rückfallquote im Arxhof liegt bei 28 Prozent. In Deutschland etwa, wo der Vollzug viel härter ist, beträgt sie rund 80 Prozent.

Sie haben kürzlich dafür plädiert, den Jugendmassnahmenvollzug um drei Jahre bis zum 26. Altersjahr auszudehnen.
Mit der momentanen Lage müssen Jugendliche mit 22 Jahren entlassen werden. Dann kann es vorkommen, dass sie ohne Lehre auf der Strasse stehen und die Ausgangslage für einen Neuanfang somit denkbar schlecht ist.