Wienacht im Frühling - Ein Dorf kämpft gegen seine Asylanten

Interviews, EJPD, 27.05.2012. SF 1 Reporter, Marc Gieriet

Reporter: "'Die Volksseele kocht!' - Mit diesen Worten begrüsst Hans Thoma den Reporter Marc Gieriet zum ersten Rundgang durch Wienacht im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Es ist Frühling, und der Widerspruch zwischen der Schilderung des besorgten Bürgers Hans Thoma und der Idylle dieser heilen Welt könnte nicht grösser sein."

"Anlass für den Volkszorn bilden die Bewohnerinnen und Bewohner der Landegg. Die Landegg ist das Asylzentrum, das genau auf der Grenze der Kantone Sankt Gallen und Appenzell Ausserrhoden liegt. Rund 120 Menschen aus aller Welt warten hier auf ihren definitiven Asylentscheid. Ein Teil von ihnen macht den Anwohnenden seit bald zwei Jahren das Leben schwer. Von sexueller Belästigung ist die Rede, von Vandalismus, Drogendeal und Lärm.

Tatsächlich, einige in Wienacht und den umliegenden Gemeinden haben spürbar Angst. Hans Thoma glaubt, das probate Mittel gegen diese Angst gefunden zu haben: Eine Bürgerwehr soll die Lage rund ums Asylzentrum verbessern. «Reporter» ist an der Gründungsversammlung dabei und erlebt hautnah, wie sich die Angst der Leute manifestiert.

Doch was bedeutet es, wenn Bürgerinnen und Bürger «das Heft selber in die Hand nehmen»? Hat die Asylpolitik versagt? Im Interview mit «Reporter» zeigt Bundesrätin Simonetta Sommaruga ein gewisses Verständnis für die Stimmungslage in der Bevölkerung. Und sie kündigt neue Lösungen an: «Der Bund prüft die Unterbringung renitenter Asylbewerber in zentralen Unterkünften, um damit Kantone und Gemeinden zu entlasten.» Weiter erinnert die Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements an die Hilfsbereitschaft der Schweizerinnen und Schweizer, wenn es um Menschen in Not gehe - eine generelle Fremdenfeindlichkeit in der Bevölkerung sei nicht festzustellen."